Andrea Lampprecht
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  Wickel, Auflagen und Kompressen

Was Großmutter noch wußte und jahrelang mit gutem Erfolg einsetzte, steht nun
scheinbar hinter modernem Wissen zurück. Zum Glück gibt es noch viele, die diese
Schätze nicht verkennen und sich ihnen wieder intensiver zuwenden.
Dieses „Schatzkästchen“ der Wickel, Auflagen und Kompressen hat eine ganze
Menge zu bieten:
Auf der einen Seite eine Bandbreite an kalten und warmen Anwendungen in
Kombination mit vielen natürliche Heilmitteln, auf der anderen Seite aber auch ein
Aspekt, der uns in der modernen Medizin oftmals so massiv fehlt: die Zuwendung.
Mit der Anwendungen von Wickeln, Auflagen und Kompressen bietet sich einen
hervorragende Möglichkeit selbst für seine Gesundung etwas zu tun und so die
Therapie des Arztes oder Heilpraktikers zu unterstützen.
Wer natürliche Heilmittel einsetzen möchte, weiß oft nicht mehr viel über die richtige
Anwendung da viel Wissen leider verlorengegangen ist. Daher hier einige wichtige
Grundlagen:
  • Wickel sind für die verschiedene Anwendungszwecke unterschiedlich temperiert
  • Wickelanwendungen müssen für den Patienten angenehm sein
  • je mehr die Temperatur des Wickels von der Körpertemperatur abweicht, desto stärker ist der Reiz auf den Organismus
  • man unterscheidet zwischen

    1. dem Wickel, bei dem die betroffene Körperregion umwickelt wird z.B Wadenwickel
    2. der Auflage, die auf einer Körperregion aufliegt z.B. Senfauflage
    3. der Kompresse, die nur kleinflächig die Haut bedeckt z.B. Leinsaatkompresse
    4. kalte Wickel sollen dem Körper Wärme entziehen und werden angewandt bei Fieber, Entzündungen, Schmerzen. Das Wasser sollte Zimmertemperatur haben - gut getränkt bleibt der Wickel 10-20 Min. auf der Haut
    5. warme Wickel werden bei vielen Beschwerden als wohltuend empfunden. Feuchte Wärme wirkt intensiver als trockene (z.B. Wärmflasche). Der warme Wickel soll abgenommen werden bevor er abgekühlt ist.

Die Natur hält uns einen breiten Fundus an Heilmitteln bereit, deren Kombination mit
Wickeln, Auflagen und Kompressen die Wirksamkeit wesentlich verbessern. Somit
stehen uns viele Anwendungungsmöglichkeiten zur Verfügung, von denen wir
nachfolgend einige kennenlernen wollen.


1. Arnika-Wickel

Indikation: Rheumatische Gelenkbeschwerden, Ouetschungen, Zerrungen,
Blutergüsse, Schwellungen, Schmerzen.
Das verwendete Wasser kann je nach Empfinden des Patienten kühl, lauwarm oder gut warm sein. Bei akuten Prozessen wird ein kühler Wickel oft als wohltuend empfunden, bei chron. Prozessen eher ein warmer Wickel.
Herstellung: 250 ml Wasser, temperiert je nach Anwendung, mit 1 Eßl. Arnika-Essenz 60% mischen.
Anwendung: Den betreffenden Bezirk mit in der Lösung getränkten Tuch umwickeln, mit einer Binde fixieren. Nach einer Einwirkzeit zwischen 15 Min. und 2 Std. kann er erneut befeuchtet und aufgelegt werden. Bei chronischen Beschwerden empfiehlt es sich die Anwendung morgens und abends für 30 Min. als warmer Wickel einzusetzen.


2. Birkenblattauflage

Indikation: Anregung der Nierenfunktion, Entschlackung über die Niere – wichtig bei Ischialgie
Herstellung: 1 handvoll Birkenblätter mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abgießen.
Anwendung: Ein Frotteetuch mit dem Absud tränken, so warm wie möglich auf die Nieren/Ischias-Region auflegen, mit 2. Tuch abdecken, Wärmflasche drauflegen, ½ bis 1 Std. liegen lassen, bei akuten Beschwerden 2x täglich anwenden.


3. Kartoffelauflage

Indikation: Muskelverspannungen, Muskelschmerzen, Husten, Bronchitis
Herstellung: Für eine, den oberen Rücken bedeckende Auflage 6-8 Kartoffeln richtig weichkochen, heiße Kartoffeln auf einer Hälfte eines Geschirrtuchs verteilen, andere Hälfte darüberlegen und im Tuch zerdrücken.
Anwendung: So warm wie möglich auflegen – Achtung wird schnell zu heiß, da die Kartoffeln viel Wärme speichern – Frotteetuch darüberlegen, mit Wolldecke zudecken, solange die Auflage warm ist kann sie draubleiben, anschließend ½ bis 1 Std. ruhen.


4. Kohlwickel

Indikation: Gelenkergüsse, Gelenkentzündungen, Leberbelastung, Ekzeme, Akne. Der Kohlwickel hat hauptsächlich entgiftende Funktion
Herstellung: Von dicken Weißkohl- oder Wirsingblätter die Mittelrippe entfernen, mit einem Wellholz kräftig über jedes Blatt rollen damit die Blätter geschmeidig werden und der enthaltene Saft freigesetzt wird.
Anwendung: Körperstelle mit 5-6 Lagen Kohl bedecken Schutztuch darüberlegen und mit elastischer Binde umwickeln, mind. 2 Std. einwirken lassen – besser noch über Nacht, besonders zur Leberentgiftung . Leichte Hautreizung mit Rotöl behandeln.


5. Leinsamenkompresse

Indikation: Schnupfen, Nebenhöhlenentzündung, Gerstenkorn, Furunkel
Herstellung: 100g frisch geschroteten Leinsamen mit 200ml Wasser zu Brei köcheln, je 2-3 Eßl. in die Mitte einer Mullkompresse geben, zu kl. Päckchen zusammenfalten und warmhalten.
Anwendung: Päckchen so warm wie möglich auf betroffenes Areal auflegen, solange belassen bis sie abzukühlen beginnen, dann durch warmgehaltenes Päckchen ersetzen, Anwendungsdauer ca. 30-45Min. evtl. mehrmals täglich mit jeweils frischen Leinsamenkompressen wiederholen.


6. Ouarkwickel oder Quarkauflage

Indikation: Angina, Schwellungen, Rötungen, Sonnenbrand, Entzündungen, Insektenstiche, allergische Hautreaktionen, Gelenkprobleme, Sehnenscheidenentzündungen
Herstellung: Quark von Zimmertemperatur in erforderlicher Größe auf ein Tuch aufstreichen, je nach Konstitution des Menschen ca. 5mm dick auftragen (dünne, leicht frierende Patienten bekommen einen dünneren Aufstrich), dem Quark kann noch folgendes beigemischt werden: ein Schuß Essig – verbessert die Entgiftung einige Tropfen Lavendelöl – unterstützt die Schmerzlinderung etwas Arnikatinktur – lindert Schmerz und Schwellung
Anwendung: Quarkwickel bzw.- auflage auf betreffende Körperstelle auflegen, mit 2. Tuch abdecken, evtl. mit einer Binde fixieren, bei Hals- oder Brustwickel Wirbelsäule aussparen, Anwendungsdauer ca.30 Min zur Kühlung - dann evtl. erneuern, oder bis der Quark eingetrocknet ist z.B. über Nacht.


7. Senfmehlwickel oder -auflage

Indikation: Husten, spastischer Bronchitis, Gelenk- und Muskelschmerzen, Verspannungen
Herstellung: Der frisch gemahlene schwarze Senf wird in der Größe des zu behandelnden Bereichs auf die Mitte eines Tuchs verteilt, Tuch von beiden Seiten her darüberlegen, von beiden Enden her aufrollen, in eine Schüssel mit warmem Wasser tauchen, kurz ausdrücken.
Anwendung: Brustwarzen und Achselhöhlen mit Vaseline und Watte abdecken ( zwecks Hautreizung), neben der Wirbelsäule beginnend den Wickel um den Brustkorb herum faltenfrei abrollen, mit einem 2. Tuch straff befestigen, Person warmhalten, nach 2 Min. nachschauen, ob die Haut schon gerötet ist – dann Wickel rasch entfernen, anderfalls weitere 2 Min. belassen, max. 8 Min., mit gutem Hautöl vorsichtig einreiben. Man kann auch zwischen Brust und Rücken abwechseln. Achtung: Bleibt der Wickel zu lange auf der Haut oder ist das Wasser zu heiß, kann es zu Blasenbildung kommen.


8. Ölwickel

Indikation: Husten, Erkältungskrankheiten
Herstellung: Brustbreites, dünnes Baumwolltuch tropfenweise mit 10%igem Lavendelöl oder Latschenkiefernöl tränken, zusammenfalten, erwärmen.
Anwendung: Tuch rasch um den Oberkörper wickeln, eine Lagre erwärmte Watte(evtl. in einTuch eingepackt um das Fusseln zu verhindern) darüberlegen mit warmem Wollschal straff befestigen, über Nacht liegen lassen.
Hinweis: Das ölgetränkte Tuch ist ca. 1 Woche verwendbar, man erneuert lediglich mit einer geringen Menge Öl.


9. Halswickel mit Zitronensaft

Der Zitronenhalswickel kann kühl, warm oder heiß angewandt werden.
Indikation: Kühl – bei Schluckbeschwerden und Halsentzündung, heiß - bei Heiserkeit, beginnender Halsentzündung
Herstellung: Man verwendet dazu eine ungesprizte Zitrone, die in einer Schüssel unter Wasser ( soviel Wasser nehmen, dass die Zitrone gut bedeckt ist) aufgeschnitten und ausgepresst wird. Dabei ritzt man die Schale mehrmals ein, um eine hohe Ausbeute an aetherischen Ölen zu erhalten. Ein Tuch ( Seide, Leinen, Baumwolle) wird so gefaltet, dass es den Hals vollständig bedeckt. Dieses Tuch wird in das Zitronenwasser eingetaucht und ausgedrückt.
Anwendung: Tuch faltenfrei um den Hals legen, mit einem Wolltuch eng umwickelt ( Wirbelsäule aussparen), kalter Wickel 1 Std. oder länger belassen je nach Hautverträglichkeit, heißer oder warmer Wickel 5-6 Min und evtl später wiederholen. Bei starkem Juckreiz muss der Wickel abgenommen werden. Nach der Anwendung den Hals eine zeitlang warmhalten.


10. Halswickel mit Zitronenscheiben

Indikation: siehe oben, aber kräftigere Wirkung und hautreizender
Herstellung: Eine ungespritzte Zitrone schneidet man in Scheiben, schlägt sie in ein dünnes Tuch ein und klopft die Scheiben kräftig aus, zur warmen Anwendung wird der Wickel vor dem Ausquetschen mit wenig heißem Wasser übergossen und dann z.B. mit einem Glas gequetscht.
Anwendung: Der Wickel wird mit den Zitronenscheiben um den Hals gelegt und mit einem Wollschal straff befestigt und bleibt solange er warm ist oder die Haut zu brennen beginnt. Nach der Anwendung den Hals warmhalten.


11. Kamillesäckchen für das Ohr

Indikation: Schmerzlinderung und Behandlung leichter Ohrenschmerzen und Mittelohrentzündung
Herstellung: Die trockenen Kamilleblüten ( ca. eine handvoll ) werden in ein dünnes Tuch eingebunden und im Wasserbad oder mithilfe einer heißen Wärmflasche erhitzt. Bei dieser Art von Erwärmung bleiben die aetherischen Öle am besten erhalten.
Anwendung: Gut durchgewärmtes Säckchen auf das Ohr legen, mit unversponnener Rohwolle ( ersatzweise Watte ) bedecken und mit einem Wollschal, einem Kopftuch oder einer Mütze sicher befestigt. Das Kamillesäckchen kann mehrere Male verwendet werden – es muss erneuert werden, wenn der Duft nachlässt. ( ca.4-5 Behandlungen )
Hinweis: Bei Ohrenschmerzen ist es wichtig, die Nase freizuhalten. Man erreicht das durch Anwendung von Kochsalzlösung (0,9%), die entweder als Nasentropfen oder als Spülung in der Apotheke erhältlich ist.


12. Zwiebelsäckchen für das Ohr

Indikation: Starke Ohrenschmerzen und Mittelohrentzündung
Herstellung: Eine mittelgroße Zwiebel fein hacken und in ein dünnes Tuch einbinden oder von einer Zwiebel die Schichten ablösen und diese im Tuch eingebunden zerdrücken, auf Körpertemperatur erwärmen, auf das Ohr legen und sicher befestigen ( siehe Kamille- säckchen). Zu beachten ist, dass die Zwiebelsäckchen auch hinter das Ohr gelegt werden,1/2 – 1 Std liegen lassen, 2-3 x täglich anwenden.
Hinweis: siehe Kamillesäckchen


13. Zwiebelsocken

Indikation: Erkältung, Husten, Bronchitis, Blasenentzündung
Herstellung: Siehe oben – jedoch 2 Zwiebeln für 2 Säckchen
Anwendung: Säckchen unter die Fußsohle legen, Socken darüberziehen, mit Wärmflasche warmgehalten – kann gut über Nacht belassen werden.